Aus "Elvis Monthley" Nr 141/Oktober 1971
SAHARA-TAHOE
Es war schon überraschend, dass Elvis einen Vertrag unterschrieb, zwei Wochen im Sahara Hotel,
Nevada, aufzutreten. Da es viel näher an meinem Heimatort war als Vegas, bereitete ich mich
umgehend darauf vor, Elvis zu sehen. Dieses war Elvis' erste Clubverpflichtung außerhalb von
Vegas.
Juli/August 1971
von Dave Bouska
Deutsche Übersetzung: Claudia Senior
Das Sahara Hotel in Tahoe ist viel kleiner als das International in Vegas, aber es gilt als
eines der schönsten Hotels in der Welt. Es ist ein 30-Mio.-Dollar-Komplex und verfügt über
600 Zimmer. Der Konzertraum erinnert an das International, außer dass er etwas kleiner ist.
Er fasst 1200 Gäste für die Dinner-Show und 1500 Gäste für die Mitternachts-Cocktail-Show.
Wie auch immer, es wurden sehr viel mehr Gäste eingelassen als die genannte Anzahl.
Bevor ich in Details über die Show gehe, würde ich gern ein bisschen über die Geschehnisse
rund um Elvis' Auftritt erzählen, während ich in Tahoe war.
Die Werbekampagne erinnerte mich sehr an die Kampagne in Vegas. Auch diese lief als "Elvis
Sommer Festival", wobei alle Hotelangestellten, Hüte und Buttons trugen, um das Ereignis
anzukündigen. Überall im Hotel wurden Poster angeklebt und an der Außenseite erstrahlte eine
große, rote Leuchtreklame mit dem Schriftzug ELVIS.
Elvis war komplett ausverkauft für diesen 2-Wochen-Gig von 20. Juli bis 2 August, schon
bevor dieser begann. Menschenschlangen säumten die Straße für die Mitternachtsshow um 19.00
Uhr. Und selbst als es Zeit war sich zu setzen, erstreckte sich die Menschenschlange immer
noch bis in die Straße. Unser Kellner sagte, er wäre froh, wenn Elvis wieder weg wäre, weil es
solche Umstände mache und jeder Angestellte Überstunden machen müsse. Der gleiche Kellner sagte
uns auch, dass Elvis 500.000 $ Gage für diese zwei Wochen bekommen hat. Die Eintrittspreise,
um Elvis zu sehen, waren die gleichen wie in Vegas. 15 $ Mindestpreis plus 2 $ Steuer brachten
den Preis auf 17 $ pro Person.
Nun, ohne weitere Verzögerungen werde ich Ihnen jetzt über die Show erzählen. Es war mir möglich
an zwei Shows teilzunehmen, beides Cocktail-Shows.
Die übliche Truppe begleitete Elvis, mit einer Ausnahme. Der Komiker Sammy Shore war nicht
anwesend und wurde durch Nipsey Russel ersetzt, der ein sehr lustiger Kerl war. Die "Sweet
Inspirations" führten die Show mit drei schönen Soul-Nummern an, gefolgt von Nipsey. Die "Imperials"
hatten in diesem Gig keinen Solo-Auftritt.
Endlich, der magische Moment war gekommen. Die Lichter gingen aus und alle Spots waren auf die
riesigen Bühnenvorhänge gerichtet. Mit noch geschlossenem Vorhang begann das Orchester die
Titelmelodie zu "2001" zu spielen und jedem war klar, dass nur einer dieser großartigen
Titelmusik würdig war. Plötzlich öffneten sich die Vorhänge und die Band verfiel in einen guten,
soliden Rockbeat. Dann betrat Elvis von der rechten Seite die Bühne, blieb einen Moment
bewegungslos stehen und bewegte sich dann scheu zum Mittelpunkt der Bühne, nahm seine Gitarre
und begann mit "That's All Right". Nach diesem großartigen Song sagte er: "Hallo, ich bin
Johnny Cash". Am zweiten Abend sagte er an dieser Stelle: "Hallo, ich bin Clint Eastwood."
Später stellte er dann Clint Eastwood vor, der im Publikum saß.
"That's All Right" wurde gefolgt von "Proud Mary" und Elvis machte weiter mit den folgenden
Songs: "Polk Salad Annie", "Johnny B. Good", "Hound Dog", "Don't Be Cruel", "You Don't Have
To Say You Love Me", "Teddy Bear", während dem er ein paar kleine Teddybären ins Publikum
warf, "One Night", "You've Lost That Lovin' Feeling", "Bridge Over Troubled Water",
"I Can't Stop Loving You", "Suspicious Minds", "Love Me", "Love Me Tender",
"Heartbreak Hotel", "Blue Suede Shoes", "Whole Lotta Shakin' Goin' On", "My Babe"
und seiner neuen Single in den Staaten mit dem Titel "I'm Leaving", welche eine bezaubernde
Ballade ist, die Elvis in seinem unverwechselbaren Stil vorträgt, zusammen mit seinem Freund
Charlie Hodge, der die hohen Stimmlagen singt. Elvis' Abschlussnummer war "The Impossible
Dream" und erwies sich als eines der Highlights des Abends.
Während der ganzen Show küsste Elvis Dutzende von Mädchen und schüttelte unzählige Hände
der Zuschauer am Bühnenrand. Nachdem er die Mädchen geküsst hatte, behauptete er, er hätte die
Grippe. Aber er sagte gleich darauf, dass er nur scherze.
Elvis trug diesesmal nicht das schon traditonelle, weiße Bühnenoutfit. Er trug ein rotes
Hemd mit blauer Schlaghose und einer blauen Jacke, die er während "Polk Salad Annie" ablegte.
Ein Mitglied seiner Band sagte ihm, er sähe aus wie "Cisco Kid" und alle unterbrachen die Show.
Ein anderer sehr amüsanter Teil der Show war der Anfang von "You've Lost That Lovin' Feeling".
Alle Lichter waren aus als Elvis zu singen begann. Als das Licht wieder anging, trug Elvis
eine Affenmaske, die ungewöhnlich echt wirkte. Und als er sich damit auch noch zu der Musik
bewegte, war das mehr als lustig. Keiner machte eine bessere Imitation. Ich wollte erst rüber
rufen und fragen, ob er gerade vom "Planeten der Affen" zurückgekehrt war. Aber ich habe es
dann doch nicht getan.
Noch ein anderer, sensationeller Teil der Show ist Elvis' Karate-Vorführung. Elvis tritt, seine
Arme fliegen und jedes Mal dröhnen die Trommelschläge zu jeder seiner Bewegungen, die eine
prächtige Darstellung von Schnelligkeit und Beweglichkeit beweisen, die nur wenigen
gegeben ist. Ich wäre ungern ein Ziel seiner fliegenden Karate-Schläge.
Es gibt da noch einen Teil der Show, der vielleicht der lustigste überhaupt ist. Ich spreche
von den Anfang von "Hound Dog". Elvis spreizt seine Beine sehr weit auseinander und legt einen
Ellbogen auf sein Knie. Dann sagt er: "Wenn du diesen Song nicht in dieser Position beginnst,
verhunzt du schon den Anfang." Auch sprach er über seinen Auftritt in der "Ed-Sullivan-Show"
und wies darauf hin, dass sie ihn damals von der Hüfte aufwärts filmten. Elvis rieb sich auch
am Kinn, Ed Sullivan verspottend und sagte: "Ed sah mich und sagte ,Sumbitch (frei übersetzt: Mistkerl)".
Das gesamte Publikum lachte sich halb tot. Die ersten Töne von "Hound Dog" hätten die Fenster
zerbersten lassen, wären welche in der Konzerthalle gewesen. Es war pure Kraft. "Hound Dog"
ist wahrlich ein Klassiker. Elvis' Humor blitzte durch die gesamte Show, und man konnte
erkennen, dass er viel Spaß hatte.
Ich hoffe, jedem hat dieser Artikel gefallen. Doch bevor ich ende, möchte ich noch eine
Sache erwähnen. Und das ist Elvis' Besuch in England. Ich war in der glücklichen Position,
einer der wenigen zu sein, die Elvis persöhnlich sehen konnten. Ich hoffe, meine Berichte geben Ihnen
allen zumindest eine kleine Idee, wie Elvis persöhnlich ist. Auch ich freue mich auf den Tag,
wenn Elvis nach England kommt. Ich vertraue darauf, dass er es tun wird. Sicherlich verdient
niemand ein Elvis-Konzert mehr als die Fans in England und dem Rest von Europa. Ihre Loyalität
ist ungebrochen und sie stellen Elvis Jahr für Jahr an die Spitzen aller Charts. Vielleicht,
wenn diejenigen von uns in den Staaten "daran arbeiten" mit Elvis und dem Colonel, wird
dieser Besuch bald kommen. Aber wie Sie alle wissen, setzt man einen Colonel nicht unter Druck.
Dave Bouska ©